Wie ein Theaterstück entsteht

Wie ein Theaterstück entsteht

von Karel Čapek

Was Sie schon immer über das unbegreifliche Chaos hinter den Kulissen eines Theaterbetriebes wissen wollten – hier erfahren sie alles. Der tschechische Autor Karel Čapek (1890-1938) hat darüber einen amüsanten Bericht hinterlassen – aus der Erfahrung eines betroffenen Autors, dessen Werk auf dem Weg zur Aufführung die sonderbarsten Verwandlungen durchmacht.
Es treten auf: die Chansonnette, und der Pianist. Nein, der tritt nicht auf, weil er noch im Stau steckt. Es gilt, die Zeit bis zu seinem Eintreffen zu überbrücken. Die pianistischen Künste der Sängerin geben nicht mehr als den ›Flohwalzer‹ her, den sie allerdings mit Emphase und suggestiver Intensität in die Tasten hämmert. Und dann der wilde Entschluss, die ganze Wahrheit über das Wunder, ja die ganze Wundertüte Theater, zu verraten. Nun treten auf: Ein zwischen Grandiosität und Depression schlingernder Autor, ein despotisch-cholerischer Regisseur, die Schauspielerriege von A bis Z, blasiert, hysterisch, sachlich, frivol, kokett, inkompetent, virtuos, halt Menschen wie du und ich .
Wie die Vollblutschauspielerin Martina Guse allein ein ganzes Ensemble auf die Bühne zu zaubern vermag, ihn im Wechsel eines Wimpernschlags Individualität einhaucht und es auch noch mit der Verkörperung des technischen Personals aufnimmt, wort- und witzgewaltig – das ist so ein Wunder des Theaters.

»Vor dem ›Feind Nummer eins des Theaters, dem Premierenpublikum‹ ringt die Schauspielerin in ihrer rot-schwarzen, bodenlangen Robe die schönen Hände, durchquert im Wiege-Schaukel-Schritt die Bühne, entfacht einen fiktiven Dialog über die Bedeutung des dritten Aktes. Mit herrlich pathetischer Dramatik und komödiantisch-diabolischen Gesten ersetzt sie in rasant wechselnden Rollen ein komplettes Ensemble.« StN, 5.3.09

»Ganz wundervoll, wie sie als Hausmädchen die simple Meldung, dass ein Herr Soundso da sei, ihrer Herrin in diversen Varianten präsentiert: mädchenhaft, sexy, albern, genervt, geheimnisvoll oder besoffen. Und Guse kann auch nur auf dem Klavier hocken […] und das Gekabbel zwischen Regisseur, Schauspielern und Technikern mit verschiedenen Stimmen derart schnell und präzise spielen, dass der Pianodeckel bebt. Der Grundton von Guses Stimme ist von kraftvoller Zartheit, ja, so etwas gibt es. Dazu verfügt sie über eine souveräne Körpersprache, weshalb es ein Vergnügen ist, ihr bei subtilen Verrenkungen zuzuschauen.« StZ, 5.3.09

»Vor knapp hundert Jahren hat Karel Čapek diese Posse verfasst, die auf der kleinen Bühne des Forum Theaters dank Martina Guses Spiel so große Wirkung erzielt.« Kultur, April 09