Richard II.

Richard II.

Solo für einen König von William Shakespeare Fassung von Cornelia Rainer und Susanne Meister nach der Übersetzung von A. W. Schlegel

Richard, gottgesalbter König von England, hat sein Land herabgewirtschaftet, die Kassen sind leer, der Staat ist ein sinkendes Schiff. Ein Krieg mit Irland kommt da gerade Recht, um von den Schwierigkeiten abzulenken. Richard verbannt seinen Cousin Bolingbroke aus England und bringt ihn um sein Erbe, damit er den Krieg finanzieren kann. Aber während Richard in Irland ist, kehrt Bolingbroke zurück und fordert sein Erbe ein – und die Krone.
Ein Land im Ausnahmezustand: Wer ist der rechtmäßige Herrscher? Richard II., dem die Untertanen und die Staatskasse gleichgültig sind – oder Bolingbroke, dem die Truppen und das Volk gleichermaßen zulaufen?
Richard wird gefangengenommen und im Tower festgesetzt. Wird er abdanken? Wird man ihn töten? Im Tower denkt Richard über Richard nach: »If not king, how can I be Richard?«
Ein Mann im Ausnahmezustand: Alles was ihm Wert galt, gilt nicht mehr.

Shakespeares ›Richard II.‹ ist ein Stück über das Scheitern und die Grenzen politischer Macht und eine Studie über den schwierigen Weg eines Königs, Mensch zu werden.

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»Aus dem Dunkel des Bühnenhintergrunds tritt ein Mann. Bedächtig schreitet er in eine mit Maschendraht eingezäunte und mit einer verrosteten Dusche ausgestattete Wüste en miniature. In diesem Internierungslager einer zerrissenen Seele zieht der Mann aus dem Heute seinen Pullover und die Freizeithose aus. Schlüpft danach einen wunderbaren Theaterabend lang vor allem in die Haut Richards II. Über die Verwandlung in den zwielichtigen englischen König versucht er, in die Tiefen der eigenen Seele vorzustoßen. […]
Regisseur Dieter Nelle hat Shakespeares historisches Versdrama in einer Fassung von Cornelia Richter und Susanne Meister als fein gezeichnetes Psychogramm eines Machtmenschen in den Fesseln seiner Schwachheit inszeniert. In der Kälte der von Ausstatter Mirko Hensch entworfenen Gefängnisatmosphäre zieht der Schauspieler Maarten Güppertz alle Register seiner Wandlungsfähigkeit. […] Großartig konturiert Maarten Güppertz mit ironisch-tragischen Tönen vor allem den Ich-Sucher Richard: Ein Mächtiger, der mit schief sitzender Krone die Imperatorpose als Halt auf der Wäschetruhe braucht. Daneben ist der von seinem Widersacher Bolingbroke vom Thron Verstoßene im Nebenberuf selbsternannter Poet, dem Shakespeares Metaphern fließend schön von der Zunge gleiten.« StN, 09.10.10

»Zu sehen ist ein wundervoll aussagekräftiges Bühnenbild (Ausstattung: Mirko Hensch). Richard stakst über eine lehmige Fläche von der Größe einer Zweizimmerwohnung, mehr ist ihm von seinem Reich nicht geblieben. Der gewesene König hat den Kontakt zur Wirklichkeit verloren.
Maarten Güppertz spielt Richard und leiht noch anderen Figuren seine Stimme. Richard zieht sich bis auf die Unterhose aus, dann wieder an, dann wieder halb aus: eine einfache und einleuchtende Bebilderung von Richards massiven Identitätsproblemen. War sein – verlorenes – Königtum nur ein Kleid, eine Hülle, hinter der womöglich ein Niemand steckt? Richard ist ein Großmeister des Selbstmitleids und seine gewaltige Jammer-Arie ist nur zu ertragen, weil sie in eine umwerfende Sprache gefasst ist. ›Mein Kummer schlägt mein Herz wie eine Glocke / Und also meldet es die vollen Stunden / Mit bangem Stöhnen tief aus meiner Brust.‹ Shakespeares Stück über einen entthronten König hat Gegenwartsbezug, denn Macht und Position sind nach wie vor zentrale Werte vor allem für Männer, seien es nun Politiker oder Bankmanager.« StZ, 09.10.10

»Auch heute lassen sich Parallelen zu Politik und Arbeitswelt ziehen. Erst kometenhafter Aufstieg, dann freier Fall. Dazwischen Bolingbroke – der für Banker ›Fehlspekulation‹ heißen kann oder für Ministerpräsident Mappus ›Stuttgart 21‹. Bolingbroke hat viele Gesichter. Regisseur Dieter Nelle verzichtet im Forum Theater auf aktuelle Bezüge und inszeniert nah am Text, der zu den seltener aufgeführten Stücken Shakespeares gehört. Dabei verläßt er unsere kleine, gehetzte Welt und versetzt die Theaterbesucher in eine Zeit, in der man noch Zeit hatte. Für das kunstvolle Spiel mit Sprache, für den Klang der Wörter, für die Entwicklung eines Gedankens, für die Wandlung eines Menschen.
Vergessen ist das rastlose Textscannen im Internet, bei dem Sätze auf ihren Informationsgehalt zusammengedampft werden. Shakespeares Richard II. fordert Wort für Wort zum Mitdenken auf. […] In gewohnter Manier schafft es Nelle, dieser Magier der Zwischentöne, den Stoff sensibel und dynamisch auf die Bühne zu zaubern. Maarten Güppertz ist als Richard II. einfach großartig. Gefangen in einem Gitterverhau auf staubtrockenem Lehmboden (fantasieanregendes Bühnenbild: Mirko Hensch), hadert er als entthronter König mit seinem Schicksal. Bei aller Tragik – Güppertz kann bei diesem Stück auch mit seinem komischen Talent brillieren. […]
Pantomime, Shakespearekunst, stimmliche Nuancen, Musik von Monteverdi bis volkstümliche Tarantella: Dieter Nelle hat einen fein ausbalancierten Theaterabend komponiert. Und einen versöhnlichen dazu. Denn Richard II. hat zwar alles Äußerliche, über das er sich definiert hat, verloren. Aber er hat viel gewonnen: Menschlichkeit. Manchmal ist Bolingbroke auch eine Chance.« Kultur, November 10