Ein Phönix zuviel

Ein Phönix zuviel

von Christopher Fry

Virilius ist tot! Viel zu früh schied er dahin, vor dem eine glänzende Zukunft zu liegen schien, und Dynamene, seine untröstliche Gattin, hat sich dazu entschlossen, ihm zu folgen. Begleitet von ihrer Dienerin Doto, begibt sie sich in seine Gruft, um dort Hungers zu sterben.
Nach drei Tagen erscheint ein junger Soldat, der auf dem Friedhof sechs Gehenkte bewachen muß und einen gemütlichen Ort für sein Nachtmahl sucht. Die Eulen heulen, die Weinflasche kreist, und bald entspinnt sich ein schlagfertiger Wettstreit um das letzte geschliffene Wort. Allmählich wird klar, daß der Liebe vor keinem Ort graust – und schließlich muß sogar ein Toter wiederauferstehen, damit sie ihren Weg ins Leben findet…
Von der Antike bis zu Jean Cocteau ist das Motiv der am Grab ihres Mannes verführten Witwe immer wieder bearbeitet worden, mal moralisierend, mal zynisch. Fry schuf daraus im Jahre 1946, als alle Welt die Todesopfer des Zweiten Weltkriegs beklagte, eine heitere, doch nie frivole Hymne auf die Liebe und das Leben.
Diese poetische Komödie war der erste große Erfolg Frys, dessen sprachmächtige, witzige Versdramen in der Nachkriegszeit über die Bühnen der Welt gingen. Wir wagen uns damit an eine Wiederentdeckung dieses zu Unrecht vergessenen Autors.

»Ein kluges, ungewöhnlich komödiantisches Spiel hat Regisseur Dieter Nelle im Forum Theater aus Christopher Frys einstigem Welterfolg ›Ein Phönix zuviel‹ gezaubert. Die 1946 uraufgeführte Komödie brilliert durch Weisheit, amüsiert mit Absurdem, berührt mit Poesie. Mirko Hensch baute eine zweistöckige Totenruhestätte auf Stelzen. Hier ruht im Untergeschoss der Tote, eine täuschend echte Figur, geehrt mit Foto, Blumen und Grabkerzen. Durch eine verschiebbare Grabplatte getrennt, spiegelt Eva Geiler als Dienerin Doto eine Etage höher in karikaturhafter Verzerrung das Weh ihrer Herrin. ›Hast Du keinen eigenen Kummer, an dem Du sterben könntest?‹, weist Britta Scherer als Dynamene Doto zurecht. Über eine Treppe, die dritte Ebene des Spiels, stolpert Martin Greif in Uniform ins Szenario. Bald kreist die Weinflasche, schon ist Dynamene von Tegeus, den sie Chromis nennt, bezirzt. Zwischen Entzückung, soldatischer Pflicht und Überlebenswillen hecken die drei Protagonisten einen Plan aus. Denn die Liebe hat sich schon immer gegen den Tod behauptet.« StN, 21.04.12

»Doto und ihre Herrin Dynamene schluchzen derart penetrant vor sich hin, dass das Publikum im Forumtheater lauthals lacht. Dynamene beweint ihren Mann und möchte ihm in den Hades folgen, Doto dagegen ist eine lockere junge Frau (witzig: Eva Geiler). Schauplatz ist eine Gruft mit kahlen Wänden (Bühne: Mirko Hensch), unter deren Boden ein Leichnam zu sehen ist. Aus seinem Munde ›klangen Bilanzen wie Homer‹, so preist Dynamene den Verblichenen. Die beiden Damen, die eigentlich ganz flott wirken, philosophieren hingebungsvoll über den Tod. Ein Soldat namens Tegeus stolpert herein. Draußen hängen an Bäumen sechs Hingerichtete, die er zu bewachen hat, drinnen bietet er den Damen Wein an. Martin Andreas Greif spielt den Soldaten amüsant als betulichen Burschen, der schwärmerisch und hochgestochen daherredet. […] Britta Scheerer als Dynamene schafft wunderbar die Wandlung von der trauernden Witwe zur feurigen Liebhaberin. Stimmig ist der Raum geraten, den Mirko Hensch auf die Bühne gesetzt hat. Frys Komödie ist kein bierernster Realismus, sondern eine leichte und ganz freie Form, sich mit Dingen auseinanderzusetzen. Dieter Nelle und seine Truppe zeigen das in neunzig aufregenden Minuten.« StZ, 23.04.12